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Andrej Berglesow »Kraftwerk« in der Taiga

Wieder ist es Winter, wieder sitze ich im Flieger nach Sibirien, wieder geht es in die Taiga.

Wir bereiten uns intensiv auf die Reise in die Taiga vor, wie in jedem Jahr. Auch dieses Mal wird unser Team mit zwei Autos unterwegs sein, unsere Missionare zu besuchen. Gemeinsam werden wir die gute Nachricht weitergeben, mit den Menschen in den Dörfern über die Liebe Jesu sprechen. Für die in der Taiga lebenden Missionare sind diese Besuche enorm wichtig. Sie sind völlig abgeschnitten: von Kontakten nach außen (Internet- und Handyempfang - Fehlanzeige), von der nächstgrößeren Stadt oder medizinischer Versorgung. Wir ermutigen unsere Mitarbeiter, beten für sie, hören uns ihre Nöte an und besprechen, wie es weitergehen soll. Für sie ist der Besuch wie ein geistliches »Kraftwerk«, an das sie sich anschließen, damit sie ein weiteres Jahr durchhalten können.

In diesem Jahr haben wir zunächst ein ungewöhnliches Problem: Es ist zu warm. Nur im Winter gefrieren die Flüsse und machen sie zu passierbaren Wegen. Wir hören mit Sorge, dass viele Flüsse nicht befahrbar sind. Das Eis ist zu dünn, die Last der Autos zu tragen. Wir beten für die Kälte. Und es wird kälter und kälter. So müssen wir nicht die befürchteten weiten Umwege durch die Wälder nehmen, sondern können die gewohnten Strecken nutzen.

Immer wieder geht ein Auto kaputt, muss vom anderen geschleppt werden. Doch die Strapazen der Reise lohnen sich. Wir veranstalten Gottesdienste, auch ein Konzert in einer Schule. Die Menschen sind teilweise so berührt von der Botschaft, dass sie einfach nicht nach Hause gehen wollen. Sie sehnen sich nach Gebet und Gesprächen.

Eine Station auf der Reise ist Jakutsk. Dort nehmen wir an einer Pastorenkonferenz teil und nutzen diesen mehrtägigen Stopp gleichzeitig zum Kräftesammeln, Wäschewaschen, Reparatur der Autos und organisatorischen Gesprächen. Danach geht es weiter. Nächstes Etappenziel ist das Gebiet um den Fluss Kolyma herum. Auch dort leben unerreichte Völker, denen wir das Evangelium bringen wollen. 2000 km und Temperaturen von minus 65°C liegen vor uns. Da scheinen die minus 41°C in Jakutsk geradezu milde. Kolyma ist eine besondere Herausforderung. Die Gegend hat traurige Berühmtheit erlangt: Unter Stalin und bis 1987 schufteten und starben Hunderttausende hier elendig in den Gulags. Bis heute herrscht in der Region eine allgegenwärtig spürbare, bedrückende Stimmung. Wir beten, dass Gott die Herzen öffnet und die Menschen in Kolyma wirkliche Freiheit erleben.