aktuell news head de

Weltweit: Missionare im Krisenmodus

Jeder nimmt die Corona-Krise unterschiedlich wahr, ist anders betroffen. Wir lassen ein paar Mitarbeitende aus dem Ausland zu Wort kommen.

Verpasste Beerdigung | Jany Georgette, Madagaskar
»Einen Tag nach Schliessung der madagassischen Grenzen erhalte ich einen Anruf. Nach langem Kampf gegen den Lungenkrebs ist meine Mutter gestorben. Ich bin das einzige Kind, und mein Vater ist jetzt allein mit seinem Schmerz. Meine Eltern waren länger als 50 Jahre verheiratet. Viele Fragen kommen hoch: Warum jetzt? Warum habe ich sie nicht noch einmal sehen und Abschied nehmen können? Warum kann ich nicht heimkehren und meinem Vater beistehen? Antworten erhalte ich keine. Doch trotz meines Schmerzes schenkt mir der Herr Tag für Tag seinen Frieden. Meine Familie und ich hatten entschieden, dem Herrn zu dienen, und wir waren uns bewusst, dass dies niemals schmerzfrei abgehen würde. Aber wir wissen auch, dass Gott seine Hand über uns hält.«

Eingesperrter Jagdhund | Jean Forschlé, Madagaskar
»Ich fühle mich wie ein eingesperrter Jagdhund. Ich hatte einen Evangelisationseinsatz geplant und dafür schon 5000 Lukas-Evangelien angeschafft. Leider haben wir jetzt auch in Madagaskar Hausarrest, sodass wir vorerst nicht losfahren können. Aber es fehlt uns an nichts, und im Gedanken an unsere verfolgten Brüder und Schwestern sind wir umso dankbarer, dass es uns gut geht. Wir haben bisher trotz der Beschränkungen armen Familien mit Reis und Speiseöl helfen können. Wir beten für unsere Geschwister und dafür, dass diese Zeit rasch vorübergehe.«

Bemerkenswerter Präsident I Tabea Geipel, Tansania
»Ich bin dankbar, dass wir in einem Land sein dürfen, das den Christen erlaubt, weiterhin zu Gebetstreffen und Gottesdiensten zusammenzukommen. Alle Versammlungen anderer Art sind abgesagt. Der Präsident hat verkündet, medizinisch könne nichts erreicht werden, nur Jesus könne heilen. Alle sind aufgerufen, zu beten und zu fasten. Die Grenzen sind geschlossen, Flüge gibt es keine mehr. In Gottes Hand sind wir sicher.«

Rückflug in die Quarantäne I Veronika Neuderth, Sibirien
»Ich war in Alaska, um ein Seminarfür die Inuit zu geben, als wir vom allgemeinen Versammlungsverbot für Gruppen über zehn Personen hörten. Also beendeten wir das Camp vorzeitig. Es gelang mir gerade noch, mein Ticket umzutauschen. Kurz danach wurden die Flüge aus den USA nach Russland für Ausländer gestrichen. Zu Hause angekommen, musste ich in eine 14-tägige Quarantäne. Diese Zeit war hart. Wie gut, dass Jesus mir nahe ist und ich alle meine Emotionen und Gedanken bei ihm loswerden kann. Wie es wohl Menschen in dieser Situation geht, die ihn nicht kennen? Draussen riecht es nach Frühling, allmählich grünt das Gras, an den Bäumen spriessen erste Knospen. Doch viele Menschen in Russland bleiben wegen der Ausgangssperre zu Hause.Gottesdienste werden online übertragen. Mir selbst geht es gut; ich bin gesund. Gott sei Dank!«