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KW 33 Moldawien Webseite Moldawien: Überraschende Reise

Graziella Rogers erzählt von ihrem Besuch: Bereits kurz nach der Ankunft im »Armenhaus Europas« wird mir klar, dass hier etwas Besonderes vor sich geht. Viktor, der Projektleiter, begrüsst mich mit seinem bröckligen Englisch mit russischem Akzent und einer herzlichen Umarmung. »Ich wollte nie Projektleiter werden«, stellt er gleich zu Beginn klar. »Ich war einfach Pastor. Doch schon nach kürzester Zeit kamen die Anrufe aus den umliegenden Dörfern mit den verschiedensten Anliegen. In Moldawien gibt es keine Behindertenheime. Wenn Behinderte volljährig sind, werden sie von den Waisenhäusern an psychiatrische Einrichtungen oder Altersheime übergeben oder sogar auf die Strasse gestellt. Ich reagiere nur auf die dringendsten Nöte, und so sind mittlerweile all unsere Projekte entstanden — Waisenhaus, Altersheim, Behindertenheim, Bäckerei, Hilfsgüterverteilung, Kinderprogramme, Jugendcamps und ein Businesscenter, um Arbeitsplätze zu schaffen.«

Der körperlich behinderte Valera wurde als Kind von seinen Eltern an eine Zigeunerbande verkauft. Diese schaffte ihn nach Moskau, als besonders mitleideserregenden Bettler. Sein Leben war so miserabel, die Schläge so brutal, dass er sich mit einem Sturz vor die U-Bahn umbringen wollte. Blutig lag er stundenlang dort, bis ihn die Polizei aufschnappte und zurück nach Moldawien schickte. Dort vegetierte er dann in einem Kinderheim dahin. Seine Betreuerin hat Viktor gebeten, den Jungen bei sich aufzunehmen. Heute lebt Valera in Viktors Behindertenheim und hat sich von den seelischen und körperlichen Wunden erholt. Er setzt seinen unglaublichen Scharfsinn ein, um mit Reparaturen technischer Geräte sogar ein kleines Einkommen für sich und das Behindertenheim einzubringen. Ich bin tief beeindruckt von Viktor und seinem ganzen Team. Es sind Menschen, die auf vieles verzichten, um den Ärmsten dieses Kontinents beizustehen und Hoffnung zu vermitteln.