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Tansania Report 1 2020Zeitenwende in Zentralasien

Er beschreibt es so: »Es fühlt sich an, als könne man den Wandel und die Veränderung hautnah erleben – wie Geschichte zum Anfassen.«

Wer Zentralasien hört, denkt an den damaligen »Sowjetischen Orient« mit Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan, Tadschikistan und Turkmenistan. Hier und darüber hinaus geschieht derzeit Erstaunliches. Besonders prägnant ist der Wandel in Usbekistan.

 Vor wenigen Jahren riskierten Usbeken noch eine Strafe von 40 Monatsgehältern (!), wenn sie an einer nichtregistrierten »illegalen« Versammlung teilnahmen. Dabei war es oft schwer bis fast unmöglich, die Kriterien zur Registrierung zu erfüllen. Heute ist es für die Gemeinden leichter, Häuser als Versammlungsstätten zu erwerben und eine offizielle Anerkennung für die Kirche zu erhalten.

 Mittlerweile konnten mit staatlicher Genehmigung mehrere Auflagen einer usbekischen Bibelausgabe gedruckt werden. Die Gemeinden können sie bei der nationalen Bibelgesellschaft erwerben und verteilen.

 Wurde vor knapp zehn Jahren in einer Fernsehsendung der Leiter einer Gemeindebewegung aus Taschkent als krimineller Verführer vorgestellt und verleumdet und damit für vogelfrei erklärt(!), so wurde dies in einer Sendung aus jüngster Zeit ganz anders dargestellt – eine späte Rehabilitierung!

Was Kasachstan betrifft, stehen wir in Verbindung sowohl mit Freunden im russischsprachigen Norden als auch im mehr orientalischen Süden und in der Landesmitte. Sie berichten, dass laufend neue Gemeinden entstehen; nicht nur in den Metropolen, sondern auch in entlegenen Dörfern Kasachstans.

Anbrechender Tag auch über Nachbarländern am Kaspischen Meer und im Tienshan-Gebirge.
Uiguren und Karakalpaken, Mongolen und Chinesen, Aseris und Afghanen sind beschienen von der aufgehenden Sonne über Mittelasien. Tatsächlich erleben die Nationen in diesen Tagen nicht nur starke Umbrüche im politischen und wirtschaftlichen Leben wie personelle Wechsel in Spitzenpositionen. Sie erleben eine Zeitenwende, denn ihr Gebet und ihre Liebe zu den Menschen verändern die Gesellschaft tiefgreifend, und dies wird den Wandel noch beschleunigen. Eine alte Kulturregion mit den dort lebenden Turkvölkern und Indo-Iranern erlebt eine besondere Begegnung: Der Auferstandene ist unterwegs – ein neuer Tag für die Länder an der Seidenstraße hat begonnen.

Persönliches Schicksal
Oft haben die Gründer von kirchlichen Gemeinden eine dramatische Lebenserfahrung gemacht. Einer unserer Freunde dort war suchtkrank, wurde kriminell und kam ins Gefängnis. Er lebte ohne Hoffnung, bis er in einem christlichen Rehabilitationszentrum frei wurde und begann, in der Reha mitzuarbeiten. Einige Jahre später zog er mit seiner Frau in einen vergessenen Ort Zentralkasachstans, um dort die Botschaft der Hoffnung zu verkündigen. Mittlerweile trifft sich eine kleine Gemeinde in seinem Haus.


Klaus-Dieter Passon hat an der Gebetskonferenz in Almaty teilgenommen. AVC fragt nach.

Wir freuen uns über positive Veränderungen in der in der usbekischen Gesellschaft. Wie sind diese zu erklären? 
Die sichtbare Welt ist die Bühne des Unsichtbaren. Damit meine ich, dass entscheidende Weichenstellungen nicht in dieser Welt vorgenommen werden. Sie geschehen in einer Welt, die wir zwar nicht sehen, wohl aber beeinflussen können. Beständiges Gebet hat diesen Wandel eingeleitet, davon sind die Christen in den Ländern der Seidenstraße überzeugt.

Wie geht das vor sich?
Ein Beispiel dafür ist diese Konferenz, zu der seit 13 Jahren bis zu 1000 Teilnehmer im Spätsommer nach Almaty kommen, um für ihre Nationen zu beten. Viele von ihnen sind Leiter und verantwortliche Mitarbeiter aus christlichen Kirchen.

Welches ist das zentrale Anliegen der heutigen Konferenz?
Dass das, was wir heute aufkeimen sehen, zur Reife gelangt. Ein wichtiges Anliegen ist zudem, dass ein restriktiver Gesetzesentwurf, der die Tätigkeit der christlichen Gemeinden einschränken würde, nicht ratifiziert werden wird.

Welche Auswirkungen hast du festgestellt?
Die Auswirkung ist ein wachsendes gegenseitiges Vertrauen, das die Qualität der Beziehungen gestärkt hat und jetzt auch Ausdruck in neuen Strukturen findet: So haben Gemeinden in Kasachstan einen Dachverband gegründet. Dadurch haben die verschiedenen Gruppen eine gemeinsame Stimme in Gesprächen mit Regierungsvertretern. Diese wiederum kenne nun einen Ansprechpartner bei Fragen zu den jungen Kirchgemeinden. Seit neuestem gibt es auch eine Region Central Asia der Weltweiten Evangelischen Allianz. Gemeinden und Gemeindebewegungen aus Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan und Tadschikistan gehören dazu, Turkmenistan soll folgen.

Dein Schlusswort?
Ich habe das Vorrecht, Zeuge eines Wandels zu sein, der in den Herzen der Menschen keimt und sichtbar wird, wenn er sich nach aussen fortsetzt. Für mich ist das Geschichte zum Anfassen. Freude, Dankbarkeit und Zuversicht werden über dem Jahreswechsel 2019/20 stehen.