aktuell news head de

syrien kirche websiteSyrien: Erste offiziell registrierte christliche Kirche seit Jahrzehnten

In der ehemals vom IS besetzten Stadt Kobane wurde im September die „Church of the Brethren“, eine christliche Kirche, eröffnet. Die offiziell registrierte Kirche ist die erste seit gut 100 Jahren.

Historischer Neuanfang
Vor 30 Jahren wurde die letzte Kirche zerstört, vor 55 Jahren fand der letzte Gottesdienst statt, ein orthodoxer eintägiger Anlass. Während den letzten Jahren haben sich Christen in Kobane in privaten Hausgemeinden getroffen. Seit wenigen Wochen ist die neue Kirche nun offiziell registriert und der Eröffnungsgottesdienst ist im neuen Gebäude gefeiert worden. „Mit Gottes Hilfe und der Erlaubnis der Behörden von Kobane haben wir diese Kirche eröffnet“, so der Pfarrer. AVC hat den Aufbau der Kirche unterstützt und begleitet.

Bei der Eröffnung wurde eine Schweigeminute für alle Kriegsopfer abgehalten. Ein Gemeindeleiter sagte: „Die heutige Eröffnung dieser Kirche ist ein Resultat des Widerstandes von Kobane. Hunderte von Kurden und anderen Menschen haben in der Region ihr Leben für Kobane gelassen. Diese Stadt ist der Schlüssel zur Freiheit im Nahen Osten. Die Gemeinschaft von Menschen und das öffentliche Leben haben heute in Kobane wieder begonnen.“

Noch nicht am Ende
Kobane erlangte weltweite Berühmtheit, als die syrischen Kurden 2014 über den IS triumphierten. Seither gilt die Stadt als Symbol des Widerstandes gegen den IS. In Kobane leben geschätzte 300 Christen, einige sind erst in diesem Jahr von Afrin nach Kobane geflüchtet und so dazugestossen. Das Christentum hat in dieser Region eine sehr lange Geschichte. Es gab früher bereits Kirchen in Kobane, und viele armenische Flüchtlinge haben sich um 1915 in Kobane niedergelassen, als sie vor dem Genozid in ihrem Land geflohen sind. Die Flüchtlinge wurden damals gezwungen, zum Islam zu konvertieren. Jahrelanger Druck und Restriktionen, ausgehend von Regierung und Gesellschaft, haben die Christen in der Region je länger je mehr davon abgehalten, ihren Glauben öffentlich und in Sicherheit zu praktizieren. 2014, bei der Attacke des IS, haben sich erstmals viele Muslimische Kurden dem Christentum zugewandt. Der IS hat ihren Glauben herausgefordert.

„Ganz im Sinne der Demokratie soll hier in Kobane wieder jede Religion, ethnische Gruppe oder Nationalität zusammenleben, zusammen beten, und sich gegenseitig helfen“, sagte ein Mitglied der Demokratischen Bewegung. Während die neue Kirche eine wunderbare Nachricht ist, bleibt die Situation für die syrischen Christen weiterhin kritisch. Immer wieder geraten Christen zwischen die Fronten der verschiedenen Autoritäten, und es bleibt ungewiss, was die Zukunft in diesem vom Krieg zerrissenen Land bringen wird.

Quellen: Kurdistan24, Smartnews Agency, persecution.org, abouna.org, eigene Quellen
Bild: abouna.org