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thiopien EntkommenEntkommen

Sashamene in Zentraläthiopien. Hier treffe ich die Leute, die dem Angriff mit knapper Not entkommen konnten.
Der randalierende Mob hatte das Kirchengebäude in Sinkile Mitte Februar zerstört. Gerne hätte ich mir selbst vor Ort ein Bild (bzw. Bilder) gemacht, aber das halten meine äthiopischen Partner für zu riskant. Mir bleibt nichts übrig, als sie auszufragen.

Knapp entronnen
Melkamu, Pastor der Gemeinde, hat alles verloren und musste fliehen. » Wir leben in einer muslimisch dominierten Stadt und erleben immer wieder Anfeindungen. Unsere Widersacher haben die aktuelle politische Instabilität genutzt, um sich über die Gemeinde herzumachen. Eine bewaffnete Meute überwand unsere Umzäunung und machte unsere Kirche mit neun Nebenräumen, dazu mein Wohnhaus mit Geschäftsräumen und Inventar dem Erdboden gleich. Sie hatten es auch auf mich abgesehen, aber zum Glück war ich bereits am Tag zuvor nach Sashamene gekommen. Jetzt habe ich mit meinen neun Kindern kein Einkommen mehr. Das ist bereits der zweite Übergriff – schon vor sieben Jahren war unsere Kirche zerstört worden.«

Gegachew, ein Evangelist, war in jener Nacht auch dort. »Ich hielt mich auf dem Gelände auf, als die Meute anrückte, konnte aber im letzten Moment mit meiner Familie fliehen. Mein Haus liegt in Schutt und Asche; wir besitzen nur noch, was wir auf dem Leib tragen. Jetzt warten wir hier in Sashamene, bis wir wissen, wie es weitergeht.«

Kofa, Mitarbeiter der Gemeinde, entkam nur knapp dem Tod: »Als der wütende Mob aufkreuzte, wollte ich meine Kinder suchen. Doch ich wurde erwischt. Einer erhob ein Schwert und wollte zuschlagen, wurde aber von seinen Kumpanen zurückgehalten. Meine Gefühle? Ich war bereit zu sterben. Das ist Teil unseres Dienstes hier. Meine muslimischen Verwandten haben mich jetzt zu sich genommen und schützen mich, sodass ich noch in Sinkile bleiben kann.«

Gottesdienst in Trümmern
Die Gemeinde sich nicht einschüchtern. »Wir haben am Sonntag nach dem Überfall bereits wieder Gottesdienst gefeiert - auf der Asche. In der Zwischenzeit haben wir den Zaun um das Gelände erneuert und wollen natürlich auch die Gebäude wieder aufbauen. Wir machen weiter. Gebäude können zerstört werden, die Gemeinde nicht. Natürlich brauchen wir Hilfe. Wir sind für jede Unterstützung dankbar.«

Sinkile ist nur ein Beispiel für Anfeindungen durch radikale Muslime. 2016 sind bisher bereits fünf Gemeindehäuser der äthiopischen Pfingstbewegung zerstört worden. Wenn schon die Autoritäten des Landes nicht helfen – wir tun es. Helfen Sie mit.