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syrien umkehrerSüdsudan: »Peace Club« im Bürgerkriegsland

Der Südsudan hat Besseres zu bieten als nur Bürgerkrieg, Hunger, Armut und Seuchen: das »Good Hope Center«, eine Oase des Friedens.

Am Anfang steht ein dramatischer Rauswurf. Das Pastorenpaar A. und C. werden im Nordsudan wegen ihres Glaubens inhaftiert und später aus der Haftzelle und dem Land geschmissen. Auch J. aus Deutschland, im Nordsudan tätig, ist in den Südsudan umgezogen – und trotz Kriegswirren geblieben. K. und P., die  nebenberuflich von der Schweiz aus wesentlich zur Entwicklung des Projekts im Südsudan beitragen, haben das Land besucht.

Chance für traumatisierte Kinder
Am Rand der südsudanesischen Hauptstadt Juba, im Stadtteil Lemun Ghaba (Zitronenbusch), starteten wir 2014 neue Initiativen: eine pastorale Gemeindearbeit und das Good Hope Center, ein Kinderheim mit Vor- und Grundschule. Die meisten Menschen im Südsudan sind durch den Bürgerkrieg traumatisiert, besonders betroffen sind die Kinder. Es gibt geschätzt 20 000 Kindersoldaten und ungezählte Waisen. In diese verlorene Generation investieren wir – durch Bildung von Herzen und Verstand.

Das »Schulhaus« auf einem angemieteten Grundstück bestand bis im vergangenen Jahr aus improvisierten Zelten. Die Hitze setzte den Schülern und Lehrern zu, und die Stürme während der Regenzeit zerfetzten regelmäßig die dürftigen Zeltkonstrukte. Doch Lehrer wie Schüler gaben nicht klein bei, und jetzt haben wir bessere Klassenzimmer aufbauen können. Es ist aber nur ein weiteres Provisorium bis zum Umzug auf ein eigenes Grundstück. Den harschen Umständen zum Trotz ist die Schule ein Riesengewinn für die Kids. Sie gehören zu den glücklichen 24%, die überhaupt eine Schulbank drücken dürfen. Denn Schulen sind rar – ebenso wie Familien, die sich das Schulgeld leisten können. Und Mädchen werden hier ohnehin weitgehend von Bildungsstätten ferngehalten. Sie müssen im Haushalt und bei der Betreuung jüngerer Geschwister helfen.

Stimmungswandel
Anfänglich herrschte eine kritische Stimmung gegenüber der Good Hope School. Ein Vater fragte sich, ob die Schule überhaupt etwas tauge. Als dann aber seine Tochter, die bei uns in der zweiten Klasse ist, seinem älteren Sohn, der die sechste Klasse einer anderen Schule besucht, bei den Hausaufgaben half, änderte er seine Meinung. Die staatlichen Schulen sind hoffnungslos überfüllt mit Klassen bis zu 200 Schülern. Der Ruf unserer Schule
ist inzwischen richtig gut, und 2018 haben wir die staatliche Registrierung erhalten.

Alle unsere Schüler wohnen in Lemun Ghaba – außer William. Unser Lehrer Andrew ist ihm kürzlich begegnet. Er ist 14 und hatte bisher noch nie einen Unterricht besuchen können. Wir haben ihn in unsere Schule aufgenommen. Seither nimmt er jeden Tag zweimal fünf Kilometer Schulweg unter die Füße. Er will lernen und seine Chance auf eine bessere Zukunft nutzen.

Sinneswandel
Diejenigen unter den Lehrern und Helfern, die anfänglich mit dem Christsein nichts am Hut hatten, sind inzwischen allesamt Christen geworden. Das zieht weitere Kreise. So war zum Beispiel der Vorher-Nachher-Effekt im Leben von Lehrer Alex so unübersehbar, dass inzwischen auch sein Bruder zum Glauben gekommen ist.

Den Unterricht ergänzen wir durch das Angebot eines christlichen Kinderprogramms. Die Kids singen, spielen, tanzen, lachen, hören Gottes Wort, lernen Verantwortung zu übernehmen und selbstständig zu handeln. Durch den christlichen Glauben verändert, entfalten sie zu Hause eine ansteckende Wirkung auf ihre teils muslimischen Familien. Familienangehörige tauchen in unseren Gottesdiensten auf und suchen seelsorgerliche Gespräche und bitten uns, für sie zu beten.

Größenwandel
Die Schule mit heute 172 Schülern hat ein riesiges »Explosionspotenzial«.

Ab dem kommenden Jahr werden in der Vorschule und der ersten bis sechsten Klasse 220 Schüler sitzen. Geplant sind eine 7. und eine 8. Klasse und vier Sekundarschulklassen. Die staatliche Anerkennung bringt Würde und Bürde. So ist der offiziellen Lehrplan Grundlage, es wird auf eine gute Ausbildung der Lehrer geachtet, und die Schüler schreiben regelmäßig Examen.

Perspektivwandel
Im Kinderheim wohnen zurzeit elf Kids. Alle aus einem prekären Hintergrund, manche durch grausame Erfahrungen und den Verlust ihrer Eltern traumatisiert.

Emmanuel ist im November 2016 zu uns gestoßen. Der Junge war sechs und sehr vernachlässigt. Denn sein Vater ist gestorben, seine Mutter schwer erkrankt. Er stammt aus einem Dorf nahe der Grenze zu Uganda. Wegen der Kämpfe und Raubüberfälle war es über längere Zeit nicht möglich, das Kind zu uns zu holen. Mitte 2016 wurde sein Dorf bei Kämpfen zerstört. Die Bewohner mussten fliehen, waren mehrere Monate unterwegs und gelangten über den Kongo in ein Flüchtlingslager in Uganda. Von dort aus wurde Emmanuel zu uns gebracht, traumatisiert und verstört. Er konnte sich kaum verständigen, denn er kannte nur seine Stammessprache. Er besucht jetzt unsere Vorschule, ist noch schüchtern, aber blüht zunehmend auf. So markant, dass in ihm bereits ein konkreter Berufswunsch Form annimmt: Er möchte Pilot werden!

Gesinnungswandel
Ein Club der besonderen Art ist kürzlich ins Leben gerufen worden: der »Peace Club«. Lehrer und Schüler kommen regelmäßig zusammen, um gemeinsam darüber nachzudenken, wie Menschen friedlich miteinander leben, Probleme rechtzeitig erkennen, ansprechen und gewaltfreie Lösungen finden können. Ein allzu aktuelles Thema im Südsudan.

In Kinder investieren, ihnen Liebe, Hoffnung und Zukunft schenken, sie zu Hoffnungs- und Zukunftsträgern für ihr Land heranbilden, dazu dient das Good Hope Center.


Investieren auch Sie. Wie Sie dem Bericht entnehmen, sind auch finanzielle Investitionen in Bauprojekte gefragt. Spenden bitte mit dem Vermerk »Good Hope Center« versehen.