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Eritrea TuerEritrea: Wenn die Tür ächzt

Jedes Mal dasselbe: Panik, wenn sich die Tür in der Angel drehte. Angst vor erneuter Verhaftung.

Wir treffen Dawit* im Garten eines Hotels. Der sympathische junge Mann (30) wirkt angespannt, beantwortet aber offen unsere Fragen. Und er ist dankbar, dass wir am Schicksal verfolgter Christen in seinem Land Anteil nehmen.

Seit wann bist du Christ?
Seit 2008. Während einer sechsmonatigen Militärausbildung erzählte mir ein Kamerad unaufhörlich von Jesus Christus. Am Ende dieser sechs Monate traf ich eine Entscheidung für ihn.

Wann und wie wurdest du verhaftet?
Das war 2012 während eines Treffens mit meiner Hauszelle, die ich damals leitete.

Die koptisch-orthodoxen Eltern einer jungen Teilnehmerin unserer Hauszelle hatten über längere Zeit vergeblich versucht, ihre Tochter von der »neuen Bewegung« abzuhalten. Da das junge Mädchen sich weigerte, seinen Glauben an Jesus zu verleugnen, schalteten seine Eltern schließlich die Polizei ein. Diese stürmte plötzlich unser Meeting und verhaftete sämtliche Anwesenden: drei Männer und drei Frauen, eine mit einem acht Monate alten Säugling.

Was geschah danach?
Uns Männer sperrten sie in Einzelzellen, die Frauen wurden gemeinsam in ein Verlies gepfercht. Der Stresslevel war sehr hoch. Ich hatte eine Riesenangst, war sehr deprimiert und hatte das Gefühl, mein ganzes Leben mit all meinen Zukunftsplänen würde hier in dieser Zelle enden.

Nach drei Tagen, in denen niemand mit uns sprach, begannen die Verhöre. Die Beamten sind bestens informiert, kennen sogar die Bibel. Sie wollten wissen, von wem die Gemeindebewegung unterstützt wird, woher die Finanzen kommen, wer die Leiter sind etc. Außerdem wollten sie uns dazu zwingen, Jesus abzuschwören und zum orthodoxen Glauben zurückzukehren.

Wurdest du während des Verhörs geschlagen?
Nein. Die Methoden, die sie anwendeten, waren Einschüchterung, Drohungen etc.

Nach diesen drei Monaten wurde ich gezwungen, das Verhörprotokoll zu unterschreiben.

Folgte eine Gerichtsverhandlung?
Nein, so etwas gab es nicht. Das Schlimmste in einer solchen Situation ist die Ungewissheit. Du weißt nie, was als Nächstes passiert, wie lange du inhaftiert bleibst, wohin du geschickt wirst und ob du das Ganze überhaupt überlebst.

Wie bist du freigekommen?
In Eritrea müssen alle im Rahmen des Militärdienstes Arbeitseinsätze leisten. Einer von uns hatte eine enge Beziehung zu einem Vorgesetzten. Als der junge Mann nicht mehr auftauchte, forschte der General nach. Er setzte sich für uns alle ein und konnte unsere Freilassung bewirken.

Hattest du während dieser Zeit etwas Besonderes mit Gott erlebt?
Vor der Festnahme hatte ich immer große Angst, erwischt zu werden. Während der Verhöre wuchs ich jedoch in Sachen Kühnheit über mich hinaus. Nach der Freilassung habe ich weiterhin die Hauszelle geleitet. Aber in den ersten paar Wochen geriet ich jedes Mal in Panik, wenn sich die Tür in der Angel drehte. Mit der Zeit wurde es besser.

Deine Verlobte lebt im Ausland. Hast du vor, nach der Hochzeit das Land zu verlassen?
Nein, ich habe einen klaren Auftrag von Gott, ihm und meinem Volk in diesem Land zu dienen.


*Name aus Sicherheitsgründen geändert